Nachricht

Chemie-Nobelpreis für Revolutionierung der Lichtmikroskopie

© Nobel Media AB, Alexander Mahmoud

© Nobel Media AB, Alexander Mahmoud

Der Physiker Stefan W. Hell hat heute zusammen mit den US-Amerikanern Eric Betzig und William Moerner in Stockholm den wichtigsten Wissenschaftspreis der Welt entgegengenommen. Ausgezeichnet wurde der 51jährige Direktor am Max-Planck-Institut für Biophysikalische Chemie in Göttingen für die Entwicklung der Stimulated Emission Depletion-Mikroskopie (STED). Dieses Verfahren hebt die 150 Jahre alte, auf Ernst Abbe zurückgehende Theorie auf, dass Details, die feiner als die halbe Lichtwellenlänge (ca. 200 Nanometer) sind, mit Lichtmikroskopie nicht sichtbar gemacht werden können.

Die STED-Mikroskopie funktioniert so: Man trennt zwei benachbarte Objekte, die untersucht werden sollen, dadurch, dass man sie mit zwei Laserstrahlen in zwei verschiedene Zustände versetzt: dunkel und hell. Bei dem einen Objekt ist die Fluoreszenz angeschaltet, bei dem anderen ausgeschaltet. Das Objekt, das leuchtet, ist nachweisbar.

Die Überwindung der Beugungsgrenze des Lichts eröffnet ganz neue Möglichkeiten in der Biochemie und Medizin, beispielsweise bei der Krebsforschung. So leitet der Wissenschaftler auch die Abteilung „Optische Nanoskopie“ am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg.

Der im rumänischen Arad geborene Hell studierte Physik in Heidelberg, wo er 1990 promovierte und sich später auch habilitierte. Nach seinem Studium arbeitete der Physiker zunächst als freier Forscher, bevor Aufenthalte an der Universität Turku in Finnland und in Oxford folgten.1997 kam Hell an das Max-Planck-Institut für Biophysikalische Chemie in Göttingen, an dem er 2002 zum Direktor berufen wurde.
Da den Wissenschaftler neben der Grundlagenforschung immer auch deren Anwendungen interessierten, ließ er bereits in den 90er Jahren von ihm entwickelte Verfahren zur hochauflösenden Lichtmikroskopie beim Deutschen Patent- und Markenamt patentieren. Für seine Arbeit wurde Hell unter anderem mit dem Deutschen Zukunftspreis (2006), dem Leibnitz- (2008) und dem Körber-Preis (2011) ausgezeichnet.